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Ortsgeschichte

Archäologische Ausgrabungen bezeugen, dass das Gebiet von Mombach bereits zu prähistorischer Zeit besiedelt war. Auch aus römischer Zeit liegen zahlreiche Funde vor. Die Gründung des Ortes Mombach erfolgte vermutlich zur Zeit des fränkischen Landausbaus ...

Die frühe (Be)­ Siedlungsgeschichte


Die erste urkundliche Erwähnung ist nachweisbar auf den 20. Januar 1256 zu datieren. Eine weitere oft erwähnte Urkunde von 1218 kann nicht als Beleg verwendet werden, da Inhalt und Beschreibung derselben äußerst fraglich sind. Nach neuesten Angaben geht man von einer mittelalterlichen Fälschung aus. Das Belegstück selbst ist nicht mehr vor­handen. Es ist vieles geschrieben und auch manches zu belegen über die frühe Geschichte Mombachs, doch die Entstehung und die erste Besiedelung des Gebietes um und unterhalb der Suderquelle ist nur zu vermuten.

Tatsache ist, dass sich bei Mombach ein römischer Handelshafen und ein Siedlungs­platz befanden. Ob es ein oder mehrere Gutshöfe (villae rusticae) oder eine Hand­werkersiedlung waren, dieser Beweis konnte bisher nicht erbracht werden. Außer verschiedenen Streufunden wurde an der Nikolausstraße (1983) ein römisches Gräberfeld des 2. und 3. Jahrhunderts entdeckt, was auf eine dazugehörige Siedlung schließen lässt. Diese Niederlassung ist wahrscheinlich in den "Stürmen" der Völker­wanderung verschwunden. In der Nähe des römischen Hafens und Siedlungsplatzes standen im frühen Mittelalter die Clemenskapelle und auch die Theonestkapelle, die Tauf- und Beerdigungstätte der damaligen Mombacher. Ob nun die ersten Dorf­bewohner aus der sich auflösenden römischen Siedlung zur Suderquelle zogen oder von Mombach aus diese Kapelle als die ihre nutzten, bleibt der Fantasie überlassen. Der Ursprung der heutigen Siedlung lag erst in der zweiten fränkischen Siedlungs­epoche des 10. und 12. Jahrhunderts. Auch die Benennung nach einer Stellenbezeichnung deutet darauf hin.

Der Name Mombach


Munbach (1256), Mumbach (1351: in dem dorffe Mumbach nidewendig Meintze), Munnenbach wird gedeutet als Ableitung eines fränkischen Personennamens Munno, Mumo, Muomo, also die Bachsiedlung des Muno oder Mumo.

Verschiedene Verfasser Mombacher Ortsgeschichte berichten zwar, dass die Kapelle zu Mombach, einer Urkunde von 944 zufolge, von Erzbischof Friedrich dem Peterstift bei dessen Gründung dotiert worden sei, wobei sie die Nikolauskapelle am Linden­platz meinten, aber es kann sich nur um die Theonestkapelle gehandelt haben, denn die Nikolauskapelle ist erst 1265 urkundlich erwähnt. (W. Schütz)

Das Dorf Mombach war ein altes Mannlehen. Was heißt das?


Der Lehnsmann hatte Besitz und Nutzung am Lehnsgut. Beim Tod des Lehnsmannes oder des Lehnsherren, musste um die Lehnserneuerung nachgesucht werden. Es war als Lehen ein Gut, das ein gegenseitiges Treueverhältnis zwischen den beiden Ver­tragspartnern begründete.

Der König belehnte seine Kronvasallen: die Herzöge, Markgrafen, Landgrafen, Erz­bischöfe und Reichsäbte. Diese wiederum belehnten: Ritter, Dienstmannen (Ministe­riale) und Äbte, die Hörige und leibeigene Bauern durch Belehung zu Naturalabgaben und Arbeitsdiensten verpflichteten. Ihnen wurde Landgabe und Schutz gewährt.

Mombachs Besitzverhältnisse


Wem gehört(e) Mombach? Mumbach mit den Gütern des Johannes von Gysenheim seinem Kämmerer Ritter Werner von Geyspesheim. 1315 belehnte Erzbischof Peter von Aspelt (1306-1320) die Gotthardskapelle und somit das Erzstift mit dem Lehnsgut, und danach ging es an Geyselbert von Selnhofen, genannt Grosse. Nach dessen Tod kam es wieder zum Erz­stift und von da durch Erzbischof Heinrich III. von Virneburg (1338-1346), mit Bewil­ligung des Domkapitels, an seinen Diener Arnold, genannt Unbescheiden von Lechenich. Als dieser starb, kam das Lehen Mombach, zu dem die obere Hatten-Mühle gehörte, unter Erzbischof Gerlach von Nassau (1346-1371) in den Besitz des Domkapitels, wo es bis zum Untergang des Kurstaates verblieb. 1359 kaufte das Dom­kapitel von dem Mainzer Patrizier Dusenberg die untere Hatten-Mühle für 935 schwere Gulden.

Das Domkapitel ließ das Dorf durch einen Amtmann verwalten und bestimmte auch den Schultheiß. Diesem unterstellt waren zwei Bürgermeister und sechs Schöffen. Der bekannteste Amtmann war Emmerich Josef von Breidbach-Bürresheim, der spätere Kurfürst (1763-1774); daher auch seine Verbundenheit zu Mombach.

Der letzte Kurfürst und Erzbischof, Karl Theodor von Erthal (1802-1804) regierte von Aschaffenburg aus noch über die rechtsrheinischen Teile des Kurstaates unter dem Titel eines Kur-Erzkanzlers. Die Säkularisierung der ehemaligen geistlichen Staaten zerschlug auch die Reste des Kurstaates und das Erzbistum Mainz. Napoleon setzte 1802 den Straßburger Priester Josef Ludwig Colmar zum Bischof von Mainz ein.

Es heißt: Unterm Krummstab lässt es sich gut leben, aber die Wirklichkeit sah für das Volk oft ganz anders aus. Bei den Vorbereitungen zum ersten Kreuzzug kam es, beginnend in Nordfrankreich, auch in den Rheinlanden zu schweren Ausschreitun­gen gegen die Juden unter dem Ruf: Den Juden die Taufe oder den Tod!

Im Mai 1096 lagerten erste Haufen irregulärer Kreuzfahrer vor Mainz. Als bei einem Handgemenge ein Kreuzfahrer zu Tode kam, machte die "öffentliche Meinung" die Juden dafür verantwortlich. Unter Führung des Grafen von Leiningen, drangen die Scharen in die Stadt, und 1014 Juden wurden umgebracht oder gaben sich selbst den Tod.

Am 24. Juni 1160 ermordeten aufständische Bürger den Erzbischof Arnold von Selenhafen im Kloster Jakobsberg, heutige Zitadelle, wohin er sich geflüchtet hatte. Grund für den Aufstand waren zu hohe Abgaben, die der Kurfürst, dem Kaiser ver­pflichtet, erheben musste, um dessen Feldzug nach Italien zu finanzieren.

1342 hatte Mainz und sein Umland unter Naturkatastrophen mit großen Überschwemmungen zu leiden. 1348 kam der schwarze Tod, die Pest, und raffte viele Menschen hinweg. Wegen angeblicher Brunnenvergiftung kam es wieder zu Juden­verfolgungen.

Im Jahre 1364 verkaufte Ritter Eberhard von Scharfenstein, Burggraf zu Olm, an die Äbtissin und den Konvent des Klosters Dalen, Zahlbach (Dalheim, auch Sankt Maria im Heiligen Thai), sein halbes Gericht zu Mombach um 155 kleine Gulden. Das Kloster hatte in Mombach großen Besitz an Äckern, Wiesen und Weiden (die Dal­heimer Wiese erinnert daran). Wegen der Weidgerechtigkeit (weiden des Viehes an Wegrändern) hatte es immer wieder Streitereien zwischen der Gemeinde und dem Kloster gegeben, die 1372 beigelegt wurden.

Die kirchlichen Verhältnisse Mombachs


Die kirchlichen Verhältnisse Mombachs waren zu Anfang eigentümlicher Art. Das Patronatsrecht über Mombach hatte das Peterstift, und zwischen Stift und Gemeinde herrschte nie das beste Verhältnis. Im Ort stand am Lindenplatz die Nikolauskapelle. Sie kann nicht zu klein gewesen sein, doch die Mombacher mussten zur Theo­nestkapelle, um die Messe zu besuchen, und an hohen Feiertagen in die Kirche des Peterstiftes. Ein Stiftsvikar war Pfarrer von Mombach, doch der wohnte in einem Stiftshaus in der Stadt. Man kann den Unmut der Bürger verstehen, die immer den weiten Weg zum Gottesdienst machen mussten. Mombach lag innerhalb der heutigen Turnerstraße, Heimstraße, Jägerhof- und Scharnhorststraße. Die Wegever­hältnisse durch die Bruchwiesen zur Theonestkapelle waren zu dieser Zeit katastrophal und auch gefährlich. Deshalb verlangten Schultheiß und Schöffen, dass das Peterstift die Messe in der Nikolauskapelle lesen solle, was nach langwierigen Verhandlungen zugestanden, jedoch nicht gehalten wurde.

Am 20. Juni 1487 kam auf das Geläut der Glocken hin die Gemeinde zusammen und beschloss, dem Peterstift so lange den Zehnten, zu dem sie verpflichtet war, zu ver­weigern, bis es seinen Versprechungen nachkäme. Durch Vermittlung des Domstiftes wurde den Mombachern in einer Urkunde vom 15. Februar 1500 zugestanden, sich auf eigene Kosten einen Pfarrer wählen zu dürfen, der dann auch die Messe in der Nikolauskapelle lesen konnte. Aber an hohen Feiertagen mussten sie nach wie vor zum Peterstift.

1435 - Kämpfe zwischen den Mainzer Ständen


1435 verschärfen sich in der Stadt die Kämpfe zwischen den Mainzer Ständen. Die alteinge­sessenen Patrizierfamilien und die Zünfte kämpfen um die Führung in der Stadtverwaltung, wobei es zu Verträgen kommt, in denen auch die Grenzen der Mombacher Gemeinde festgelegt werden.

1444 erlangen die Zünfte die alleinige Macht. Viele Patrizier wandern ab in den Rheingau und nach Frankfurt, wo sich konservative Geschlechter gegen die revolutionären Zünfte besser behaupten können. Ständige Reibereien der Zünfte mit der Mainzer Geistlichkeit belasten Handel und Wirtschaftsleben derart, dass die Finanzlage der Stadt immer katastrophaler wird. Die Bürger sehen als Hauptgrund die so genannte "Pfaffenrachtung" von 1435, einer Verein­barung zwischen Stadt und Geistlichkeit, nach der die Geistlichen von den bürgerlichen Abgaben des Zolles und gewissen Lebensmittelsteuern befreit waren. Der Etat von Mainz im Jahre 1437/38 weist aus, dass Mainz total verschuldet war und bei den Nachbarstädten Anleihen nehmen musste. Hauptgläubiger war die aufblühende Stadt Frankfurt. (Leitermann)

1447 - Die größte Flutkatastrophe der Geschichte


1447 im Mai brach über Mombach, verursacht durch schwere Unwetter, die größte Flutkatastrophe seiner Geschichte herein, die das Dorf fast völlig vernichtete. Nach Abfluss der Wasser bot sich ein Bild größter Wüstenei. Überall Leichen von Menschen und von Vieh. Trümmer von Häusern. Wertvolles Ackerland und Gärten weg­ geschwemmt. Die Wege aufgerissen von den Fluten, in den Spalten Schlamm und Morast. Nur durch die Hilfe des Erzbischofs Dietrich Schenk zu Erbach (1434-1459) und der Mainzer Patrizierfamilien "zum Dusenberg", "zum Gensfleisch", "zum Silber­berg", "zum Fredekind", "zum Dürrenbaum" und "zum Berwolf" war es möglich, dass sich das Dorf wieder erholen konnte.

Der heiße Sommer des Jahres brachte so große Hitze, dass das Bett des Rheines zu durchwaten möglich war, doch es reifte ein Spitzenjahrgang in den Weinbergen. Arnold Schreiber berichtet von einer Urkunde aus dem Kopialbuch des Klosters St. Jakob, vom 24. Oktober 1466, wonach der Abt dieses Klosters einem Zahlbacher Bürger ein wüstes Feld in der Mambaeher Gemarkung auf dem Hattenberg übergab gegen jährlichen Zins von 1 Pfund Heller, mit der Maßgabe, es zu roden und einen Weinberg anzulegen.

1631 - Mombach leidet unter dem 30-jährigen Krieg und der Pest


Im 30-jährigen Krieg hatte auch Mombach viel zu leiden. 1631 kamen die Schweden, 1635 die kaiserliche Armee unter Graf Dohna. 1644 eroberten die Franzosen Mainz und blieben über den Westfälischen Frieden hinaus bis 1650 zur Ehre und im lnteresse Frankreichs. Und alle verlangten Kontributionen von der Bevölkerung.

Auch mussten die Mombacher aus der Gemeindekasse dem Mainzer Scharfrichter Meister Jonas jährlich 3 Gulden, 12 Batzen und 2 Kreuzer zahlen, dem ein Zinsrecht auf Mombach gegeben war. Doch das Leben im Ort ging weiter - bis 1666 die Pest viele Menschen hinwegraffte. Hoch schnellten auch die Sterberaten, als 1689 im pfälzischen Erbfolgekrieg General Comte de Melac die Pfalz zerstörte und Mainz von den Franzosen besetzt und von deutschen Truppen belagert war. Der Belagerungsring erstreckte sich von Mombach über Gonsenheim, Bretzenheim bis nach Weisenau. Am 9. September kapitulierte die französische Besatzung, aber viele Dörfer in der Umgebung von Mainz waren zu Schaden gekommen.

1701 - Die Nikolauskapelle brennt


1701 brannte die Nikolauskapelle ab, und die Gemeinde hatte kein Gotteshaus mehr. Doch durch die Stiftung des Domprobstes Heinrich de Ia Roche, konnte 1702 mit dem Bau einer neuen Kirche begonnen werden, die dann am 19. August 1703 eingeweiht wurde. Die Gemeinde errichtete in dieser Zeit nicht nur ein Pfarrhaus, sie baute auch 1708 ein neues Rat- und Schulhaus gegenüber der Nikolauskirche; das alte am Lindenplatz kaufte Abraham Herrmann.

Mit der Gemeinde Budenheim kam es 1728 zu einem Vergleich über die Jahrhunderte währenden Streitigkeiten wegen der Gewann "80 Morgen", dem heutigen Wald­friedhof, der endgültig erst im Jahre 1935 beigelegt worden ist, als die Stadt Mainz als Rechtsnachfolger der Gemeinde Mombach das Gelände für 14.089.- Reichsmark erwarb.

Die Mombacher bewirtschafteten im 18. Jahrhundert noch 120 Morgen Weinberge, die sich sogar bis 1780 über den Großen Sand nach Gonsenheim hin erstreckten. Doch die Rehzeilen wurden immer mehr durch Obstbäume, hauptsächlich Kirschen, verdrängt. 1824 waren es dann nur noch 21 Morgen Wingerte; und die Felder am Großen Sand wurden 1817 Exerzierplatz der Mainzer Garnison, der Mombacher Wald Schießplatz für die Artillerie.

Die Chronik der St. Nikolauspfarrei berichtet, dass 1744 die Hebamme des Ortes noch von dem Pfarrer unterrichtet und vereidigt wurde (nachzulesen bei H. Schier: Mombacher Ortsgeschichte von 1641 bis 1896).

1775 - Die Schulpflicht wird eingeführt


War der Schulbesuch bis zum Jahre 1775 noch weitgehend freiwillig, so unterlagen jetzt die Knaben der Schulpflicht. Dieser folgte dann 1780 die für die Mädchen, auf den Weg und zur Durchführung gebracht durch die vom Kurfürsten Emmerich Josef von Breidbach-Bürresheim 1770 eingesetzte Schulkommission.
Zur Gemeinde Mombach zählte die lngelheimer Aue, die den Grafen von lngelheim gehörte, die beiden Hatten-Mühlen und die von Josef Gottron 1779 gegründete Ziegelhütte. Dazu zählten auch die Landgüter der Grafen Walderdorf, Stadion, Kesselstadt, Hatzfeld und des Domherrn Eltz. Am 1723 angelegten Rondell, einer kreisrunden Anlage, an das noch eine Seitenstraße der Zwerchallee erinnert, vergnügten sich an Festtagen die Mainzer Adelsfamilien bei Tanz und Spiel.

Doch diese Idylle wurde restlos zerstört, als 1792 das französische Heer unter General Custine Mainz besetzte, das sich ohne Widerstand ergab.

Am 19. November hob Custine die kurfürstliche Verwaltung auf und bildete die "Allgemeine Administration". Am 17. März trat in Mainz der "Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent" als "Mainzer Republik" zusammen, wozu Wahlen stattfanden. In Mombach stimmten von 123 Wahlberechtigten 78 zu, der Rest enthielt sich der Abstimmung.

1792 - Zwischen den Fronten von deutschen und französischen Truppen


Seit 1792 lagerten deutsche Truppen rechts des Rheins unter dem Kommando des preußischen Generals von Kalkreuth. Sie überschritten auf Schiffsbrücken bei Mombach und Weisenau den Rhein und schlossen so den Belagerungsring um Mainz. Die rigorosen Verteidigungsmaßnahmen der Franzosen setzten auch Mombach schwer zu, indem alles Vieh und die Lebensmittel in die Stadt gebracht werden mussten. Und immer wieder versorgten sich die Besatzer bei Ausfällen in die Ortschaften mit Proviant. So auch am 5. auf den 6. April und 17. und 20. April 1793, als sie Mombach plünderten.

Vom 18. Juni bis 18. Juli beschossen die Belagerer durch ein verheerendes Bombardement die Stadt, und am 23. Juli kapitulierten die Franzosen. Mombach hat, zwischen den Fronten gelegen, schwer gelitten, und viele Bürger kamen um. Die Franzosen wurden zwar geschlagen und verjagt, aber sie kamen wieder, denn die Kampfkraft der Revolutionsarmeen erwies sich stärker als die der deutschen Fürsten, Könige und des Kaisers. Im Frieden von Campo Formio, 17. Oktober 1795, fiel das gesamte linke Rheinufer an Frankreich, was am 9. Februar 1801 im Frieden von Luneville völkerrechtlich bestätigt wurde. Wir gehörten zur Fränkischen Republik.

Vielleicht waren die Menschen froh darüber, dass die ewigen Kriegshandlungen ein Ende fanden. jedenfalls pflanzten auch sie einen Freiheitsbaum, allerdings auf Geheiß der neuen Verwaltung und für 27,72 Francs, wie aus den Gemeindeakten zu lesen ist. Und die Idee von Freiheit und Gleichheit wirkte sich vor allem auf die jüdischen Einwohner aus, denn sie brauchten keine besonderen Abgaben mehr zu zahlen, sie waren jetzt Bürger der Republik wie alle anderen.

Ab 20. Dezember 1801 residierte in Mainz der von Napoleon bestimmte Präfekt Jeanbon de St. Andre, den zwar Bischof Colmar, ebenfalls von Napoleon eingesetzt, daran hindern konnte, den Mainzer Dom abzureißen, doch die Mambaeher Heiligenhäuschen an der Budenheimer Straße und am Gonsenheimer Weg legte man auf seinen Befehl vom 14. Februar 1810 nieder, auch die beiden Ortstore, die Mainzer und die Budenheimer Pforte, womit das Ende der Ortsmauer besiegelt war.

Am 16. Februar 1804 beschloss der Rat der Stadt Mainz, die Dörfer Bretzenheim, Mombach, Weisenau und Zahlbach einzugemeinden. Der französische Innenminister legte den Plan den Hauptverwaltungen dieser unterstellten Dörfer vor, doch nach deren Protest wurde der Eingemeindungsplan zu den Akten gelegt; nur Zahlbach kam zu Mainz.

In dem 1801 angelegten Sectionsbuch ist der Ort mit etwas mehr als 7 Morgen bebauter Grundstücke angegeben, auf denen 117 Häuser standen für ca. 600 Einwohner. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 600 ha; davon waren Ackerfeld und Wiesen 166 Morgen; auf 65 Morgen Pflanzfeld wuchsen: Erbsen, Bohnen, Gurken, Meerrettich und Suppengemüse. Baumfelder mit Weingärten vermischt: 140 Morgen; Weidenholzanlagen: 16 Morgen; Akazienanpflanzungen: 12 Morgen; Wald: 92 Morgen und Wald-Ödungen: 4 71 Morgen. Den übrigen Grundbesitz teilten sich Staat und Gutsbesitzer Kertell.

Auf Anordnung Napoleons ließ Jeanbon de St. Andre die Sümpfe zwischen Mainz und Mombach trocken legen und 1809 den Rheindamm bauen, und er förderte sehr den Obstanbau in Mombach.

Das waren die angenehmen Seiten. Zu den weniger guten zählt die Tatsache, dass mehrere Mambaeher Bürger, man nannte sie Conscribirte, unter dem napoleonischen Adler in Spanien und Russland kämpfen mussten. Einer von ihnen, der Gardesoldat Arnold Fleck, ist an der Beresina verschollen.

1812 - Napoleon landet auf seiner Flucht aus Russland in Mombach


ln der Nacht des 16. Dezember 1812 ruderte ein Kasteler Schiffer Napoleon, der auf der Flucht aus Russland war, mit seinem Begleiter über den Rhein und landete wegen des starken Treibeises bei Mombach, von wo aus der Kaiser zu Fuß nach Mainz gehen musste. Ihm folgten 1813 ab 16. Oktober 60.000 Mann seiner geschlagenen Armee, von denen bis zum Abzug der Franzosen am 4. Mai 1814 etwa 18.000 bis 20.000 Mann in Mainz an Typhus starben.

Nach dem Wiener Kongress kam 1816 das linksrheinische Gebiet um Mainz, Alzey und Bingen als Rheinhessen zum Großherzogtum Hessen, Mombach blieb noch bis 1821 unter Budenheimer Verwaltung. 1814 bemühte sich Bernhard Winter um die Aufstellung des 1795 beschädigten alten Feldkreuzes, um ihm einen würdigen Rahmen zu geben in einer Kapelle, die 1874 die heutige Form erhielt.

Im Jahre 1821 wählte dann die selbstständige Gemeinde den seitherigen Adjunkt der Budenheimer Verwaltung, Nikolaus Staab, zum Bürgermeister. Gemeinderäte wurden: Egidius Ott, Bernhard Winter, Michael Weixel, Johann Epstein, Veit Mumm, Veit Hertzer, Hermann Gottron, Philipp Schramm und Jakob Fleck.

Von den ursprünglich 120 Morgen Weinbergen im 17. Jahrhundert waren nur noch 21 Morgen mit einem Ertrag von 7.500 Litern Wein geblieben. Die meisten Trauben wurden als Früchte verkauft. Trotzdem konnten bei den 856 Einwohnern, von denen 846 katholisch und 10 evangelisch waren, noch sechs Gastwirte leben, neben einem Metzger, einem Händler und sechs (!) Schustern.

Von Geldern aus französischen Reparationszahlungen erhielt 1829 bis 1836 die Nikolauskirche eine Empore, und der Turm, der einen stumpfen Abschluss hatte, erhielt einen Spitzhelm und erhöhte sich so auf 33 Meter. Der Ort verfügte, außer am Fatzer, über folgende Brunnen: an der heutigen Scharnhorststraße, Ecke Hauptstraße; am Bleichgarten; am Lindenplatz; an der alten Wehd, Hauptstraße 131; am heutigen Brünnchen und später noch an der Ecke, wo heute die Nestlestraße von der Hauptstraße abzweigt. Sie alle speiste die Suderquelle. Außerdem besaßen viele Einwohner noch eigene Brunnen. Das überschüssige Wasser der starken Quelle floss als Bach durch den Ort dem Unterfeld zu und war so fischreich, dass die Gemeinde ihn zu drei Viertel verpachtete.

1837 wurde in Mombach zum Schutz der Saaten die Sperlingsbekämpfung eingeführt. Unter Androhung von Strafe musste jeder Grundbesitzer eine bestimmte Anzahl Sperlinge töten. Die Köpfe der Vögel sammelte der Gemeindediener Johann Mumm, der zugleich auch Totengräber war. Nur Maulwürfe brauchte er keine zu jagen, dafür war extra ein Maulwurfsfänger angestellt!

Zur Förderung der Lehrlinge und Facharbeiter richtete man 1841 eine Handwerker Zeichenschule ein.

Und weil sich auch in Mombach das Vereinsleben rührte, gründete sich 1846 als erster ein Turnverein, der aber in dem Revolutionsjahr 1848, als auch in Mombach Bundestruppen lagen, verboten wurde, weil die Turner sicher mehr frisch und vor allem freier waren, als fröhlich und fromm.

1845 - Beginn des Industriezeitalters


Im Jahre 1845 begann mit der Ansiedlung der Wagen- und Chaisenfabrik Gastell Harig und Berdelle für Mombach das lndustriezeitalter. Die Firma hatte das Walderdorf'sche Gut gekauft und baute es zur späteren Waggonfabrik aus.

1847 kaufte die Gemeinde Felder zur Regulierung der neuen Ortsstraß im Strunk, der Bleichstraße, heute Turnerstraße, die damals als Ortsumgehung gedacht war. Weil der Friedhof um die Nikolauskirche zu klein geworden war, legte man 1854 an der Mainzer Straße, da wo heute die Jesu-Kirche steht, einen neuen an, denn das Gelände nach Mainz hin war noch weitgehend unbebaut, bis 1859 mit dem Bau der Ludwigsbahn Mombach einen Bahnhof erhielt. Dieser lag zunächst, von der Hauptstraße gesehen, am Ende der Körnerstraße, weshalb sie damals Bahnhofstraße hieß. ln dem Gebiet nach Mainz hin existierten schon mehrere kleine Betriebe, die schlossen sich 1865 zum Verein der chemischen Industrie Mombach zusammen.

Mombach wuchs und dehnte sich aus. Doch sein altes Wahrzeichen, die Linde, musste, durch Brand und Blitzschlag geschädigt, 1862 gefällt werden. Sie erlebte zwar noch die Gründung des neuen Turnvereins, die aber geschah 1861 unter der Linde des Gottron‘schen Anwesens an der Ziegelhütte.

Diesem Verein folgten bald noch andere, so 1873 der Kriegerverein, gegründet von den Veteranen des deutsch-französischen Krieges 1870/71, die auch den Bau des Kriegerdenkmals initiierten, das an der Ecke Budenheimer Straße/Nerobergstraße stand. Heute hat es einen würdigen Platz, wenn auch nur als Torso, im Ehrenhain des Waldfriedhofes.

Als in Mombach 290 Kinder zur Schule gingen, entschloss man sich 1869 zum Bau eines neuen Schulhauses (heute Kindertagesstätte). Es entstand neben dem alten Rat- und Schulhaus, das bis 1887 noch für den Unterricht mitbenutzt und dann abgerissen wurde. Die Verwaltung zog 1875 um, als das von der Witwe Heim erworbene Haus zur Bürgermeisterei umgebaut war.

Aus den Reihen des Turnvereins entstand 1872 die so genannte Turnerfeuerwehr, Vorläufer der Freiwilligen Feuerwehr Mombach. Ihre Leitern und Haken hingen an der Kirchenmauer von St. Nikolaus. Die Mauer ist später zur Verbreiterung der Straße beseitigt worden. Das alte Spritzenhaus steht heute noch neben der Kindertagesstätte, zu der die Schule von 1869 geworden ist.

1870 - Starke Bautätigkeit


In den Jahren 1870 bis 1885 setzte generell eine starke Bautätigkeit ein. Der Friedhof musste von der Mainzer Straße in die Gewann "Lemmchen"verlegt werden. Es entstanden zwischen Turnerstraße, Backmuhl-, Suder- und Hafenstraße (heute Nestléstraße) ganz neue Wohnviertel, denn Mombach hatte 1875 schon 2.174 Einwohner. Am Ende des Rheindammes baute die Gemeinde eine große Pumpstation, die "Wassermaschine", zur Regulierung des Grundwasserspiegels im Unterfeld, dazu ein neu es Grabensystem, auch die "Krottebach" und zur Sicherung der Felder am "Wörthchen" den Sommerdamm. Aber diese Maßnahmen schützten doch nicht vor dem verheerenden Hochwasser des Jahres 1882, als der hohe Damm an zwei Stellen brach und die Felder meterhoch unter Wasser standen. An der heutigen Nestlestraße, Haus Nr. 26, ist die Markierung des Wasserstandes zu sehen.

Weil die katholische Gemeinde 1883 auf über 2.500 Seelen angewachsen war, erweiterte man die Nikolauskirche um ein Querschiff. Auch die evangelischen Einwohner mehrten sich, und so gründeten im Jahre 1885 die nunmehr 485 Gläubigen die evangelische Gemeinde Mombachs, die am 15. Oktober ihren ersten Gottesdienst im Saal der Bürgermeisterei hielt.

Auch die Zahl der Schulkinder nahm zu. Für die 621 Schüler musste neuer Unterrichtsraum geschaffen werden. Und so erweiterte man die Schule von 1869 durch Aufstockung und Anbau auf 8 Klassenräume. - Von 1885 bis 1887 legte die Stadt Mainz den Floßhafen an, heute Industriehafen, und erhöhte den Rheindamm, in dessen Schutz sich 1890 die Maschinenfabrik und Kesselschmiede Schmahl ansiedelte. Sie bestand bis 1969, als sie in die Fa. Chemie-Apparatebau Mainz überging. 1982/83 wurden die alten Gebäude abgerissen und an ihre Stelle traten verschiedene andere Firmen.

Auch die um 1890 gegründeten Konservenfabriken Nägeli, B. Ley, und später auch R. Ley, bestehen längst nicht mehr. Sie verloren ihre Existenz mit dem Rückgang der Mombacher Landwirtschaft, hauptsächlich des Obstanbaues.

Aufstrebend war die evangelische Gemeinde, denn sie erbaute 1891 an der Emrichruhstraße ihr Gemeindehaus mit Betsaal. in das 1895 Heinrich Bechtolsheimer einzog, der bis 1907 evangelischer Pfarrer von Mombach war. Gleich nebenan entstand 1892 das Gastell‘sche Hospiz, das St. Rochuskrankenhaus, eine segensreiche Einrichtung für Mombach. Bei auf über 3.800 Einwohner angewachsener Bevölkerung reichten auch die Schulräume nicht mehr aus, und so baute man 1894 die Jahnschule, (heute Haus Haifa) die, als Knabenschule genutzt, nun dem getrennten Unterricht diente. Die Mädchen blieben in der Schule an der Hauptstraße. Aber auch die Jahnschule musste bald erweitert werden, denn die Einwohnerzahl wuchs 1896 auf 3960, 2.022 männlich und 1.933 weiblich, wie die Statistik ausweist. Welchen Geschlechts die restlichen fünf waren, ist nicht vermerkt!

199 Landwirten standen 1896 rund 400 Arbeiter und Angestellte, 18 Gastwirte und 1 Rentner gegenüber. Ein Maurer hatte 32 bis 34 Pfennige Stundenlohn, und die Abgeordneten des Deutschen Reichstages bezogen pro Sitzungstag 15,- Reichsmark an Diäten.

Die Waggonfabrik hatte 1.200 Beschäftigte und die chemische Fabrik 80. In den Jahren 1895 bis 1908 herrschte in Mombach wieder starke Bautätigkeit, in der ganze Straßen und Viertel entstanden, hauptsächlich in ost-südlicher Richtung. Im Unterfeld wurde auf 200 Morgen Salat gepflanzt. Der Versuch. Freiland-Salat hier anzubauen. war Mitte der 1850er Jahre gelungen. Und der Spargelanbau. 1856 von Anton Gottron eingeführt. dehnte sich 1899 auf 150 Morgen Spargelfelder aus. Für die Aus- und Weiterbildung der Arbeiterschaft gründete der Gewerbeverein eine Gewerbeschule. eine Sonntags- Zeichenschule und eine Fortbildungs-Abendschule.

1901 - Telefon, Straßenbahn, Wasserwerk, Strom, Gasversorgung


1901 erhielt die Bürgermeisterei Telefonanschluss unter der Nummer 1492, per Zufall die Zahl des Jahres. das als Beginn der Neuzeit gilt. Machte sich so der allgemeine Fortschritt auch in Mombach bemerkbar. so stand dem ein Auftragsmangel bei der Waggonfabrik gegenüber. der 1902 zur Entlassung von 600 Arbeitern führte. Die Lage am Arbeitsmarkt entspannte sich wohl wieder. war aber immer starken Schwankungen unterworfen, die von Zeit zu Zeit zu Entlassungen führten. - Die Einwohnerzahl wuchs enorm. Sie stieg innerhalb von 10 Jahren von knapp 4.000 auf 6.833 im Jahre 1906. Und die Schulkinder waren so zahlreich. dass es Klassen mit 96 (!) Schülern gab.
1903 erhielt Mombach ein neues Bahnhofsgebäude mit Güterbahnhof. denn der Bahndamm musste wegen der Auffahrt zur Kaiserbrücke erhöht werden. die 1905 dem Verkehr übergeben wurde. Und am 15. Juli 1904 fuhr die erste Straßenbahn von Mainz nach Mombach. Im Jahr darauf ging das neue Mombacher Wasserwerk in Betrieb, gleichzeitig mit der Gasversorgung. Die Kosten für Wasserwerk und Rohrnetz betrugen 260.000.- Mark und für die Gasleitungen 84.000.- Mark. Das Wassergeld belief sich jährlich für 60 Kubikmeter auf 12,- Mark. für jeden weiteren Kubikmeter 20 Pfennige. Dazu kam die Wasserzählermiete mit durchschnittlich 2,40 Mark pro Jahr und der Gaspreis betrug pro Kubikmeter 20 Pfennige. Die alten Brunnen verschwanden im Ortsbild; zur Unzufriedenheit der Bauern. konnten sie doch jetzt nicht mehr ihre Produkte dort umsonst waschen. Sie protestierten auch gegen Pläne der Stadt Mainz. die schon 1905 unterhalb Mombachs eine Kläranlage bauen wollte.

Am 28.12.1904 gründete sich die Gemeinnützige Baugenossenschaft Mombach. Erster Vorsitzender wurde Pfarrer Bechtolsheimer. Vorsitzender des Aufsichtsrates war Pfarrer Philipp Jäckel. - Im Gottron'schen Lokal. da. wo heute die Eintrachthalle steht. traten anlässlich einer Versammlung des Metallarbeiter-Verbandes viele Arbeiter diesem Verband bei, sodass er auf 120 Mitglieder anwuchs. Im gleichen Jahr entstand aus verschiedenen Einzelgewerkschaften in Mombach ein Gewerkschaftskartell.

1907 - Eingemeindung


Beherrschte schon seit einigen Jahren die Eingemeindung zu Mainz die Mombacher Öffentlichkeit, so wurde sie am l. April 1907 Realität. Bürgermeister Freber übergab Oberbürgermeister Göttelmann die Rathausschlüssel Er wurde damit Ortsvorsteher, und die selbstständige großherzoglich-hessische Gemeinde Stadtteil von Mainz.
Hatten schon einzelne Betriebe elektrischen Strom, so konnten ab Februar 1908 auch Haushalte damit versorgt werden. Bei 7.000 Einwohnern gab es aber nur 20 Abnehmer, die anderen brannten noch ihr Gaslicht oder die alten Petroleumlampen zum Teil noch bis in die 1930er Jahre.

Endlich, 1909, begannen auch die ersten Arbeiten zur Kanalisation, zunächst in Haupt- und Quellwiesstraße, dann in Pappel-, Backmuhl- und Emrichruhstraße, damit das Volks- und das Schülerbad der neuen Pestalozzischule angeschlossen werden konnten. 19 Klassenzimmer hatte die Schule, eine Turnhalle und Räume für den hauswirtschaftlichen Unterricht der Mädchen. 270.000.- Mark betrugen die Baukosten, dazu kamen 60.000.- Mark für das Grundstück, das die Gemeinde bereits 1905 erworben hatte. Bei der Pestalozzischule entstand 1910 die evangelische Kirche. Sie wurde am 22. Oktober 1911 eingeweiht.

An der heutigen Zweigstelle der Sparkasse Mainz stand früher das Lokal „Zur schönen Aussicht", von wo man das Biebricher Schloss sehen konnte! Im Gartenbau des Restaurants etablierte sich 1910 das erste Mombacher Kino. Dazu meldeten sich auch kritische Stimmen, wegen der vermeintlich negativen Auswirkung auf die Jugend! 1911 gründete sich der Obst- und Gemüsebau-Verein. Im Ort bestanden 9 Gesangvereine. Die Schülerzahl in ]ahn- und Pestalozzischule stieg im Jahr 1911 auf insgesamt 1.492 bei 27 Lehrkräften.

1905 hatte die katholische Gemeinde den früheren Friedhof an der Mainzer Straße erworben, der als Bleiche diente, nachdem der Friedhof verlegt worden war. 1911 erfolgte der erste Spatenstich zum Bau der Herz-Jesu-Kirche; sie wurde am 20. September 1913 konsekriert. Zu ihrem Bau stifteten der Mombacher Bauer Nikolaus Kohl und seine Ehefrau, die kinderlos waren, ihr gesamtes Vermögen von 80.000.- Mark. Im gleichen Jahr erfuhr das Gastell'sche St. Rochus-Krankenhaus eine wesentliche Erweiterung. Es ging 1925 für 500.000.- Mark in den Besitz der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung über.

Im Ersten Weltkrieg lagen in Mombach deutsche Truppen für die Westfront als Einquartierung und das St. Rochus-Krankenhaus diente teilweise als Lazarett für verwundete Soldaten. 250 Mombacher mussten von 1914 bis 1918 ihr Leben lassen. Und als der Krieg zu Ende war. besetzten französische Truppen das Rheinland und somit auch Mainz. In Mombach bauten sie an der Ecke Turmstraße/Suderstraße. heute „An den Dünen". Barackenlager. die noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg standen. Die Franzosen hatten strenge Auflagen an die deutsche Bevölkerung: Mehr als drei Personen durften auf der Straße nicht beieinander stehen; kam auf dem Bürgersteig ein französischer Offizier. mussten sie auf die Straße ausweichen. und vom Dunkelwerden bis zum frühen Morgen war Sperrstunde. Doch das war nur im Anfang so. Später lockerten sich die Vorschriften. und das normale Leben nahm seinen Gang. Die bereits 1916 geplanten Bauvorhaben im Geviert Suderstraße, Auf der Langen Leine, Am Mahnes (Jahnstraße) sind zwischen 1921 und 1924 ausgeführt worden. Es entstanden 68 Häuser mit 198 Wohnungen. Im Waldstück „80 Morgen" legte die Stadt Mainz ab 1921 den Waldfriedhof an.

1928 fusionierte die Gastell'sche Waggonfabrik mit der Westdeutschen Waggonfabriken AG Köln-Deutz.

Nach Abzug der französischen Besatzungstruppen im Jahre 1930 konnten sich die Mombacher bei den Reichstagswahlen unter 14 Parteien entscheiden. Von 7.569 Einwohnern gaben von 5.204 Wahlberechtigten ihre Stimmen: 2.154 der SPD; 793 dem Zentrum; 413 der NSDAP; 321 der Partei Hessisches Landvolk. Christlich-Nationale Bauern und Landvolk; 254 der KPD; 121 der Deutschen Volkspartei. Die anderen Parteien bekamen wesentlich weniger Stimmen.

An der Ecke Liebigstraße/Hauptstraße entstand um 1931 der so genannte Neubau und damit auch die Floßstraße. Am 11 . Dezember 1932 weihte die Gemeinde auf dem Waldfriedhof das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges ein. Nikolaus Lenges, nach dem die Lengesstraße benannt ist. wurde dafür geehrt, dass er insgesamt 37 Menschen vorm Ertrinken gerettet hat.

Aber vor den Nationalsozialisten rettete uns niemand; die kamen 1933 an die Macht. Infolge des Gleichschaltungsgesetzes vom 31.3.1933 kam die Auflösung aller Parteien außer der NSDAP, die zur Körperschaft des öffentlichen Rechtes erklärt wurde. Alle Vereine unterstanden zwangsweise einer NS-Dachorganisation. Die Freien Turner, verboten und aufgelöst, verloren ihren gesamten Besitz, die Halle des Vereins wurde abgebrochen; und mit dem Material baute man die Mombacher Markthalle, die 1936 eingeweiht wurde.

Bei der Volksabstimmung 1934 stimmten von den wahlberechtigten Mombachern 4.642 mit ja, 476 mit Nein und 102 enthielten sich.

Im gleichen Jahr begann man auch mit dem Bau der Siedlungshäuser an Suder- und Kreuzstraße der so genannten Storchensiedlung, in die 1936 kinderreiche Familien einzogen.

Als 1936 deutsche Soldaten in die entmilitarisierten Zonen des linken Rheinufers einrückten, benötigte die Mainzer Garnison neues Übungsgelände, denn der „Bolligoo", das Polygon, war 1933 an die Mombacher Landwirte verkauft worden. Deshalb erwarb der Fiskus die Äcker „Im Fahrengrund" und „Am Wald". Für die Felder auf dem Polygon hatte sich das Reich das Rückkaufsrecht bis zum 31.12.1955 vorbehalten. Aber nicht nur das Militär übte (sogar im heutigen Naturschutzgebiet „Mombacher Sand") auch die Zivilbevölkerung musste proben: Luftschutz, Verdunkelung, Fliegeralarm, bekam dazu die Volksgasmaske VM 37 verpasst und musste die Dachböden entrümpeln. Es gab sogar ein Backverbot für Kreppe!, um Fett zu sparen für kommende magere Zeiten. Und die kamen mit dem Kriegsbeginn am 1. September 1939. Die rüstigsten Pferde der Mombacher Bauern beschlagnahmte das Militär; und nach dem Frankreich-Feldzug lag 1940 das 36. Artillerie-Regiment im Mombacher Quartier.

1941 - Fliegerbomben auf den Großen Sand

Am 17. Juli 1941 fielen erste Fliegerbomben auf den Großen Sand, doch am 12 ./13. August 1942 trafen sie Mombach. Die Nikolauskirche und umliegende Häuser wurden durch Brandbomben zerstört. Am 21. August 1944 wurden mit der Turnhalle in der Turnerstraße etliche Häuser getroffen. Am 8. September fielen Bomben in die Hauptstraße, um die Ortsverwaltung herum, ebenso am 21 . September. Doch am 9. Oktober 1944 entging Mombach der Vernichtung, als über 500 Bomben das Feld zwischen Rheindamm und Waldfriedhof förmlich umpflügten. Beim Luftangriff am 17. Dezember wurde die Waggonfabrik zu 65% zerstört, und in Mombach mussten am Tag darauf 89 Menschen durch Bombentreffer ihr Leben lassen. Die letzten Bomben fielen am 13. Januar 1945. Danach trafen Artilleriegranaten der Amerikaner die Umgebung der Pestalozzischule, wobei Soldaten und Zivilpersonen ums Leben kamen.

Auf dem Waldfriedhof begrub man in Massengräbern die Toten des verheerenden Luftangriffs auf Mainz vom 27. Februar 1945. Und auf Befehl der Nazi-Diktatur wurden in einer Senke des Friedhofs russische Kriegsgefangene erschossen. Als Verteidigungsmaßnahmen verminten Soldaten die Budenheimer Chaussee an der Ortsgrenze, und an der Nikolauskirche, in der Turnerstraße und am Eiskeller wurden Panzersperren gebaut, doch nachdem sich die „Goldfasanen“ der Partei über den Rhein abgesetzt hatten, öffneten Zivilisten die Sperren, und am 19. März 1945 besetzten die Amerikaner Mombach.

Standen wir zunächst unter amerikanischer Militärverwaltung, so wechselte diese am 2. Mai 1945 an die französische Besatzungsmacht. Ab da brauchte man einen Passierschein, um in die rechtsrheinische amerikanische Zone zu gelangen. Obwohl es auch unter der französischen Militärregierung Ausgangssperren für die Bevölkerung gab, waren die Franzosen doch mehr als nach dem Ersten Weltkrieg auf Verständigung eingestellt.

Ab 1947 - Gründung vieler Vereine


Bestand zunächst ein Versammlungsverbot. konnten sich ab 1946 wieder Vereine gründen. So entstand am 24. April 1946 die Sportgemeinde „Eintracht 03", bezogen auf die Fußball-Vereinigung 03, denn zunächst war nur Ballsport genehmigt. Ab 1947 durften auch wieder die anderen Sportarten betrieben werden, und so kam es am 8. September zur Gründung der TSG „Eintracht" 1861, denn zur Turngesellschaft 1896 gehörte der Mombacher Turnverein als ältester Verein sowie der Schwimmclub 1900 „Germania", der Kraftsportverein 09 und die Kanugesellschaft Mainz 1932. Doch es blieb nicht dabei, denn die Fußball-Vereinigung gründete sich am 16. Juli 1949 wieder als selbstständiger Verein, auch die Kanu- und Skigesellschaft am 23. Mai 1951 und schließlich 1955 der Turnverein. Die TSG Eintracht bezog sich nun auf das Gründungsjahr der früheren Turngesellschaft von 1896. Doch im Verlauf der Entwicklung beider Vereine stimmten die Mitglieder einer Verschmelzung der TSG mit dem Turnverein zu. Die Turn- und Sportgemeinde Eintracht ging 2005 im Mombacher Turnverein auf.
Schon bald begann die größte Bauphase Mombachs. Die 1944 begonnenen Wohnblocks auf dem ehemaligen 03-Sportplatz sind auf Geheiß der Militärregierung fertig gestellt worden. An der Liebigstraße entstand ein neuer Sportplatz, der aber nur bis 1964, als die Bezirkssportanlage fertig gestellt war, bestand.

Aus Mainz fuhr die „Trümmerbahn" zum Floßhafen, der mit dem Schutt des zerstörten Mainz teilverfüllt wurde, wobei die Badeanstalt des Schwimmclub „Germania" und alle Bootshäuser untergingen. - Um die große Wohnungsnot zu lindern, baute man 1947/48 an der Turmstraße und „An den Dünen" zunächst einfache, in Fertigteilen hergestellte Holzhäuser. Diesen folgten 1949 „Am kleinen Sand" und „An der Plantage" ebenfalls Holzhäuser, aber in gehobener Ausführung. Anstelle der ausgebrannten und 1948/49 abgerissenen Nikolauskirche entstand 1954 bis 1956 ein Neubau. Der ehemalige Friedhof Am Lemmchen wurde zur Grünanlage mit Kinderspielplatz. Für die Bewässerung des von den damals noch zahlreichen Mombacher Bauern bewirtschafteten Unterfeldes baute man die große Ringleitung; in der übrigen Gemarkung standen noch 31.714 Aprikosenbäume, die aber bald Baulichkeiten weichen mussten, denn die Einwohnerzahl hatte sich von 8.554, im Jahre 1946, in 1950 auf 9.654 erhöht und wuchs bis 1965 auf 11.588. Ab 1962 entstand das Gewerbegebiet Erzberger Straße/An der Brunnenstube. In Richtung Gonsenheim dehnte sich Mombach links der Suderstraße aus. Auch innerhalb des Stadtteils schlossen sich die Baulücken Am Müllerwald und in der Franz-Winckeler-Straße. 1961 konnte die TSG Eintracht ihre Halle einweihen, ebenso der Mombacher Turnverein.

Mit der Ausdehnung nach Süden und Westen kamen ab 1962/63 der Ausbau der Siedlerstraße, die Wohngebiete Am Obstgarten, Am Wasserwerk, am bis dahin noch fast unbebauten Teil der Langen Leine. Am Mahnes und entlang der früheren Budenileimer Straße. Man baute: Am Lemmchen, Am Schwermer, An der Schlehenhecke, Stollhenn und Am Hipperich; an der Kreuzstraße und vor allem in dem großen Wohnkomplex Westring, in dem auch Sport- und Tennishalle sowie Tennisplätze entstanden.

Am 27.10.1963 fuhr die letzte Straßenbahn, und die Verkehrsbetriebe stellten ganz auf Omnibusse um. Mit der Verlängerung der Rheinallee, 1965, und der folgenden Aufschüttung des Geländes zwischen Eisenbahn- und Rheindamm bis zur Kreuzstraße, entstand neues Industriegebiet, das sich heute bis zur A 643 fortsetzt. die über die 1962 vollendete Schiersteiner Brücke führt. Zur gleichen Zeit entstand auch die städtische Kläranlage im Unterfeld. Als Ersatz für die verlorenen Bade- und Schwimmanlagen des früheren Floßhafens errichtete die Stadt 1964/65 auf dem Polygon das Mombacher Hallen- und Freibad. Um 1970 erfolgte der Ausbau des Gebietes Karlsstraße, in der Plies und Am Wenzen, dem sich der Bau der Grund- und Hauptschule Mombach-West anschloss, die 1971 eingeweiht wurde.

Die Hochhäuser an der Hasenquelle waren 1971 fertig gestellt, wie auch das HeiligGeist-Pfarrzentrum und der Kindergarten am Pfarrer-Bechtolsheimer-Weg, anschließend das Wohngebiet Auf dem Krahl, Am Geifen, Am Tiergarten und An der Hasenquelle.1976 ging die frühere Waggonfabrik in den Besitz der Firma IV ECO im Fiat-Konzern über, und die nach dem Krieg gebaute Rheinwerft schloss 1977 ihre Tore. Die evangelische Gemeinde baute 1980 ihr Gemeindezentrum Mombach-West, das mittlerweile in privaten Besitz übergegangen ist. Mit der Übergabe der Fabrikanlagen der Firma IVECO an das Panzerwerk (MIP) endete die Tradition der Waggonfabrik. Doch auch die MlP stellte 1 994 den Betrieb ein. Über die endgültige Verwendung des gesamten Werkskomplexes ist auch 200 5 noch nicht entschieden. Im August 1986 gestaltete die Stadtverwaltung die ehemalige Jahnschule um zu einem Jugendzentrum, dem Haus Haifa. Sie war zwischenzeitlich als Sonderschule genutzt worden.

Am 12. Dezember 1984 ging die Geschichte einer für Mombach bedeutenden Einrichtung zu Ende; das St. Rochus-Krankenhaus schloss nach 98 Jahren seine Pforten. Die Baulichkeiten übernahm der Caritas-Verband Mainz. Mombach, im Jahre 1993 auf rund 13.000 Einwohner gewachsen, hatte die Hoffnung, dass aus dem Haus ein Seniorenheim werden könnte, aber diese Erwartung erfüllte erst die Arbeiterwohlfahrt 1995 mit dem Bau des Ursel-Distelhut-Hauses an der Bernhard-Winter-Straße.

Zur Entlastung von Haupt- und Kreuzstraße, vor allem vom Schwerlastverkehr, baute die Stadt bis 1997, in Verlängerung der Industriestraße, eine Umgehung mit Bahnunterführung zur Kreisstraße nach Budenheim hin. Zugleich entstand der Mombacher Kreisel und neues Gewerbegebiet an der Gewann Dalheimer Wiese, die bei gerade noch einem bäuerlichen Betrieb ihre Bedeutung als Feldgewann längst verloren hat, ebenso die Markthalle, die 2003 einem Lebensmittelmarkt mit großem Parkplatz weichen musste.

Im Jubiläumsjahr der Genobank Mainz (1896-1996), und im 111. Jahr des Mombacher Carneval Vereins 1886 „Die Bohnebeitel", stifteten beide Institutionen 1997 die Brunnenanlage vor der Orstverwaltung. Und um so dem Stadtteil ein attraktiveres Aussehen zu geben, gründete sich am 7.4.2003 der Verein „Schöneres Mombach“, mit dem der Stadtteil und seine Einwohner voll Gestaltungsfreude und Zuversicht in die Zukunft geht.
Autor: Heinz Schier
Bilder: Heinz Schier, Dieter Müller, Wolfgang Krämer und aus Archivbestand (OV Mombach/Stadt Mainz)


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